Also da erbt man von einem Kollegen ein paar wunderschöne Messingmodelle (z.B. Fulgurex, Metropolitan, Lemaco, Morep, Ferro-Suisse, ….) und packt sie aus den teilweise aufwendig bearbeiteten Schachteln, um mit Schrecken festzustellen:  Der Schaumstoff der Polsterung im Innern hat sich in der Zwischenzeit zersetzt !!

Wenn sich der Schaden und die damit verbundenen Einflüsse auf das darin aufbewahrte Modell in Grenzen halten, dann ist die Lokomotive (oder der Wagen) zusätzlich in einer Folie eingewickelt (meist Plastik-/Kunststoff-Folie oder Seidenpapier). Aufatmen: Keine Beschädigung der Farboberflächen oder eingefärbten Messingteile.

Doch dann greift man in die Kiste und zieht das zweitletzte Paket hervor und: Oh Schreck – keine Plastikfolie oder nicht gegen die Seite der Schaumstoffpolsterung!

Für Liebhaber dieser Modelle eine Katastrophe. Auf der Oberfläche bilden sich hässliche Flecken des sich auflösenden Schaumstoffs. Vielleicht kann man mit einem Wattestäbchen und etwas destilliertem Wasser ein paar Flecken entfernen. Doch meistens ist das Unheil bereits soweit fortgeschritten, dass sich diese klebrigen Flecken nicht mehr entfernen lassen. Der Griff zu Reinalkohol, Sprit oder Aceton bedeutet dann häufig das Ende dieses Modells, weil sich dabei in der Regel die Farbe auflöst oder das ganze Modell hässlich verschmiert. Aufgedruckte Signaturen und technische Zahlen verwischen oder blättern ab. Ein solcher Schaden wäre nur durch Umspritzen des Modells zu beheben, doch die Fachleute oder Hersteller, welche solche Schäden beheben können sind kaum mehr vorhanden.

Von den oben erwähnten Herstellern sind fast alle verschwunden/verstorben oder nicht mehr für die farbliche Reparatur solcher Modelle verfügbar.

Nach einigen Versuchen, die klebrige Schicht weg zu machen, stellt man fest: Ohne Beschädigung geht das nicht gut. Zwar kann man das Modell eingehend reinigen und etwas Verbesserung erzielen, doch der Schaden bleibt sichtbar: Eine leicht klebrige “Orangenhaut” hat sich fest auf der Farboberfläche gebildet.

So ist man zwar um ein wunderschönes Messingmodell reicher und gleichzeitig um eine verpasste Rettung ärmer!

Bei Loks ist die Angelegenheit vielleicht etwas einfacher, da die Farbgebung mit dunkelgrün einige kleine Fehler verzeihen kann, doch auch hier sieht man bei genauer Betrachtung die kleinen Schäden des Schaumstoffs.

Die hier abgebildeten Überreste musste ich in mühsamer Kleinarbeit mit einer Pinzette und etwas leichtem Seifenwasser entfernen. Am Ende sieht nur noch ein Experte die kleinen Klebespuren vom Schaumstoff und die kleinen Farbabplatzer an den Haltegriffen des Übergangs, wo die Farbe fehlt.

An Modellbahn-Börsen, wo ein emsiges Treiben herrscht, übersieht man solche Kleinigkeiten gerne und erst zuhause, bei genauer Betrachtung, sieht man solche Beschädigungen an einem Modell.
Ärgerlich!

Ein weiteres Problem bei Messingmodellen ist häufig die “originale” Schraubenkupplung, welche samt Zughaken in der Mitte angebracht ist.

Das ist zwar sehr originalgetreu, doch für eine Modelleisenbahn mit Fahrbetrieb oft mühsam. Die kleinen Kupplungen passen meistens nicht zu den typischen Hakenkupplungen eines Wagens (im unteren Bild links sichtbar).

Da hat man also eine Messinglok mit Schraubenkupplung und Wagen mit Hakenkupplung. Also muss die eine Kupplung weichen, damit Lok und Wagen zusammengehängt werden können. Ein Modellbahn-Fan entscheidet sich natürlich sofort für Schraubenkupplungen, um dann im Fahrbetrieb seinen Entscheid gleich wieder zu bereuen:

  • Schraubenkupplungen sind originalgetreu, eng gekuppelte Verbindungen zwischen Lok und Wagen, mit gleichzeitige Berührung der beiden Puffer.
  • Hakenkupplungen haben häufig einen grösseren Abstand, können bei Normschacht jedoch mit Kurzkupplungen ersetzt werden, um eine gleichwertige, enge Kupplungskulisse zu erreichen.

Dabei vergisst man hier das typische Messing-Phänomen:

Die Messingpuffer haben meist federgepufferte Bollerköpfe, welche auf die gegenüberliegenden Puffer treffen sollten. Damit wird ein minimaler, originalgetreuer Abstand erzielt. Gleichzeitig ist aber die Drucklast auf den beiden Puffern zu berücksichtigen, den diese Puffer werden bei Kurvenfahrten zusammengedrückt (darum federgepuffert). Wenn nun die Puffer der Lok und des direkt angehängten Wagens nicht exakt auf der gleichen Höhe sind, gerät der eine Puffer in der Kurve häufig unter Bollerkopf des gegenüberliegenden Puffers und der Wagen (oder eine kleine, leichte Lok) wird am Ende der Kurve (durch die untereinander verkeilten Pufferbohlen) angehoben und aus der Spur gedrückt. Dabei entgleist das eine Fahrzeug meistens seitwärts. Ausserdem können die Puffer durch dieses Fahrmanöver häufig beschädigt werden. Solche Puffer zu reparieren ist meist sehr aufwändig und nur unter einer Lupe zu bewerkstelligen.

So ist man häufig gezwungen, an der Zuglokomotive die Schraubenkuppplung durch einen einfachen Zughaken zu ersetzen (ein solcher liegt zum Glück bei Messingmodellen häufig bei). Auch diese Arbeit ist “nifelig” und oft nur mit Unterstützung einer Lupe zu erledigen. Dann kann der Bügel der Hakenkupplung des Wagens auf den Haken an der Lok angepasst werden.

Somit ist zwar ein häufiges Problem mit Entgleisungen gelöst (Abstand grösser, keine Berührung der Puffer), doch wenn Wagenhaken und Zughaken der Lok in der Höhe nicht perfekt zusammenpassen, kann es vorkommen, dass die Lok plötzlich alleine weiterfährt und die Wagenkomposition stehen bleibt oder rückwärts den Berg runter rollt !

Die moderneren Kupplungen von Märklin, Liliput, Roco etc. sind da schon etwas einfacher zu bedienen und haken die Kompositionen oft gut genug zusammen, dass niemand stehen bleibt.
Ideal sind die Kupplungen mit NEM-Schacht. Hier können die eigentlichen Haken relativ einfach ausgetauscht/geändert werden.
Einzig mit den US-Normkupplungen kann da ein weiterer Problembereich auftauchen, doch darüber in einem anderen Blog-Post mehr.

Und so landet manch schönes Messingmodell am Ende häufig in der Vitrine, auf einem geraden Stück Gleis – ohne Fahrbetrieb, damit nicht noch mehr Unglück damit passieren kann. Das ist zwar schade, doch oft eine der wenigen verbleibenden Lösungen, um ein wunderschönes Messingmodell einer tollen alten Lok zu besitzen oder retten zu können.